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Lernpraktik: Strukturbilder
Wenn man Texte einfach herunterliest, beobachtet man oft folgendes Phänomen: man hat zwar beim Lesen mehr oder weniger den Eindruck zu verstehen, kann aber am Ende kaum etwas über den Text sagen. Es ist beim Lesen offenbar nicht gelungen, dem Text eine Struktur abzugewinnen, die es erlaubt, ihn auf wenige zentrale Aussagen zu reduzieren oder ihn zu kritisieren, oder einfach anzugeben, was die Autor/-in da "gemacht" hat. Es ist beim Lesen daher von Vorteil, den Text für sich zu strukturieren, bzw. seine Struktur aufzuzeichnen. Es fällt dann weit leichter, Aussagen über den Text zu machen. Die folgende Lesepraktik kann helfen, eine Struktur des Textes zu erarbeiten und visuell als Strukturbild darzustellen.
Wenn Sie den Text lesen, dann schreiben Sie dabei einzelne Wörter oder Aussagen aus dem Text auf ein Blatt Papier. Versuchen Sie die Beziehungen zwischen solchen Wörtern und Aussagen dabei festzustellen. Die Beziehungen können Sie als Pfeile darstellen. Solche Pfeile können sein: „ist ein Beispiel für.... ->“ oder „daraus folgt... ->“ oder „gehört zu.... ->“ oder „unterscheidet sich in... ->“. Experimentieren Sie.
Wenn das Strukturbild zu komplex, also zu umfangreich wird, hat man verschiedene Möglichkeiten: Man kann einzelne Strukturbilder für Teile des Textes zeichnen, man kann ein neues Strukturbild malen, das stärker auswählt und reduziert und einen Überblick über das Thema bietet. Man kann auf die Mitte eines Blattes einen zentralen Begriff aus dem Text schreiben, und ausgehend von diesem Begriff die Aussagen des Textes ordnen. Manchmal wird es auch nötig, neu anzufangen. Sie werden merken, dass sich Ihr Verständnis des Textes nach und nach verändert und damit auch die Strukturen, die Sie in dem Thema, das der Text verhandelt, erkennen können.
Wenn man solche Strukturbilder erstellt hat, kann man darauf zurückkommen und sie ohne Text neu lesen oder mit anderen diskutieren. Oft fallen einem dann Zusammenhänge auf, die man vorher nicht bemerkt hat oder die nicht im Text standen.
Mit Strukturbildern in Lernprozessen hat sich vor allem die kognitive Psychologie beschäftigt. Dabei wurden auch einige Mappingverfahren entwickelt. Auch in Philosophie und Textlinguistik hat man sich mit der Struktur von Texten beschäftigt, dabei wurde vor allem die Frage, welche Strukturen Texte aufweisen, und wie man die erkennen kann. Wir glauben, dass ein Verständnis für Textstrukturen bei der Lektüre von großem Vorteil ist. Strukturbilder lassen sich übrigens recht gut mit Computerprogrammen erstellen.
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