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Lernpraktik Exzerpieren
Was ist exzerpieren?
Unter Exzerpieren versteht man das auszugweise Wiedergeben bzw. Herausschreiben eines Textes beim lesen. Dabei können Textstellen entweder (1) als längere Zitate wörtlich wiedergegeben oder (2) in eigenen Worten kurz zusammengefaßt (paraphrasiert) werden.
Warum exzerpieren?
Das Ziel eines Exzerptes ist es, später auf das Wissen über den Text zurückzugreifen, ohne den Originaltext noch einmal lesen zu müssen. Exzerpieren wird seit der Verbreitung des Kopierers unüblicher. Dazu hat Umberto Eco bereits alles gesagt (ja richtig, der Autor vom "Namen der Rose" hat nebenbei eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten geschrieben):
"Vorsicht! Fotokopien können zum Alibi werden! Fotokopien sind ein unerläßliches Hilfsmittel, sei es, um einen in der Bibliothek schon gelesenen Text zur Verfügung zu haben, sei es, um einen noch nicht gelesenen Text mit nach Hause zu nehmen. Aber oft werden Fotokopien als Alibi verwendet. Man trägt Hunderte von Fotokopien nach Hause, man hat ein Buch zur Hand gehabt und mit ihm etwas unternommen und glaubt darum, es gelesen zu haben. Der Besitz der Fotokopien erspart die Lektüre. Das passiert vielen. Die Art Sammelrausch, ein Neokapitalismus der Information. Setzt Euch gegen die Fotokopie zur Wehr. Habt Ihr sie, so lest sie sofort und verseht sie mit Anmerkungen. Seid Ihr nicht unter Zeitdruck, dann kopiert nichts Neues, ohne Euch die vorherige Fotokopie angeeignet zu haben (und das heißt, Gelesen und mit Anmerkungen versehen). Es gibt vieles, was man gerade deshalb nicht weiß, weil man einen bestimmten Text fotokopiert hat, so hat man sich der Illusion hingegeben, man hätte ihn gelesen." ( Eco 1988)
Das Exzerpieren ist aufwendig und sicher nicht für die gesamte Literatur möglich, die Sie im Studium lesen werden. Aber exzerpieren lohnt sich, wenn Sie folgendes Leseergebnis erreichen möchten:
Durch das Exzerpieren verstehen Sie den Text gründlicher, als wenn Sie ihn nur Lesen oder mit Anmerkungen versehen. Sie haben nämlich die zentralen Gedanken des Textes in eigenen Worten wiedergegeben. Sie haben den Text dadurch in eine eigene Struktur transformiert.
Das Exzerpt ist viel kürzer als ein kopierter Text und Sie können deshalb viel schneller auf den Inhalt zurückgreifen, wenn Sie ihn später benötigen. Wenn Sie in Gruppen an einem Thema arbeiten, können Sie sich die Literatur aufteilen, und ihre Exzerpte gegenseitig austauschen.
Wie exzerpiert man Texte?
In Anlehnung an Stary und Kretschmer ( Stary/ Kretschmer 1994, S. 114ff) schlagen wir folgendes Vorgehen beim Exzerpieren vor: Verschaffen Sie sich durch ein erstes Lesen einen Überblick über den Text.
Unterteilen Sie den Text in Sinnabschnitte. Dabei kann Ihnen die äußeren Struktur des Textes, seine Einteilung in Kapitel, Abschnitte, Unterkapitel oder Absätze wichtige Anhaltspunkte geben. Formulieren Sie das Thema jedes Sinnabschnittes.
Zitieren Sie Definitionen, Hauptbegriffe oder wichtige Thesen im Wortlaut.
Fassen Sie Überleitungen, Beispiele, Argumentationsketten etc. in eigenen Worten zusammen (Paraphrasieren). Denken Sie an die Kategorien aus den Mappingverfahren, und versprachlichen Sie Beziehungen im Text "X. definiert den Begriff ..." oder "X. bringt ... als Beispiel für ..." Oder "dafür führt X. folgenden Grund an ..."
Kommentieren Sie den Text bzw. formulieren Sie Einwände. Markieren Sie diese eigenen Stellen durch Kursivschrift oder eine andere Schriftart.
Wenn es sich um einen größeren Text handelt, können Sie das Prinzip wiederholen, indem Sie die Zusammenfassungen der Abschnitte zu einer Zusammenfassung eines Kapitels verdichten usw.
Fügen Sie dem Exzerpt die bibliographischen Angaben hinzu. Notieren Sie innerhalb des Exzerpts die Seitenzahlen, damit Sie in eigenen Arbeiten auf das Buch verweisen können, ohne noch einmal die Seitenzahl nachzuschlagen.
Diese Anleitung ist wie immer nur ein Vorschlag. Experimentieren Sie und entwickeln Sie ihren eigenen Stil.
Das Sammeln von Exzerpten
Wenn Sie über dieses Seminar hinaus mit Exzerpten arbeiten, ist es ein wichtiges Ziel, auf diese Zusammenfassungen später zurückgreifen zu können. Dazu ist ein Ordnungssystem sinnvoll.
Wenn Sie mit Papier arbeiten, können Sie jedes Exzerpt auf einer Karteikarte (Din A5) niederschreiben. Sie können dann die Ränder der Karte für spezielle Notizen verwenden. Wenn Sie mit dem Computer arbeiten, können Sie nach demselben Prinzip eine Dokumentvorlage anlegen.
Für das Sammeln von Exzerpten bieten sich auch Literaturverwaltungsprogramme an. Einige Programme haben wir Ihnen zusammengestellt. Ausserdem müssen Sie erst einmal an Literatur kommen. Auch zur Praktik der Literaturrecherche, haben wir Ihnen eine Übersicht über Datenbanken zusammengestellt, in denen es sich lohnt, nach pädagogischer Literatur zu suchen. |